

Heinz Theodor Jüchter, langjähriger Kulturdezernent der Stadt Wuppertal, berichteteüber seine Erfahrungen im und mit dem Bergischen Land.
Das Bergische Land wird oft verkannt und als kleinteilig, engstirnig, unübersichtlich und provinziell charakterisiert. „Bergisch Pepita“ – kleinkariert, so lautet der Vorwurf. Heinz Theodor Jüchter hat sich nach seiner Pensionierung das Bergische Land näher angesehen und darüber im Essener Klartext Verlag ein kleines Buch geschrieben.

Er nannte es ganz bewusst „Bergisch Pepita" und sieht das Kleinteilige als Geheimnis so mancher historischer Leistung der Region, die mit der „Regionale 2006" den Spurwechsel in eine gute Zukunft schaffen will. In der Einleitung des Buches zitiert Jüchter einen Satz seines norddeutschen Landsmanns Horst Janssen: „Das Große ist bald langweilig, aber im Kleinen ist eine Welt verborgen.“ Heinz Theodor Jüchter steht im Anschluss seines Vortrags für eine Diskussion zur Verfügung.
Der Eintritt zu dieser Veranstaltung ist frei, Interessenten sind herzlich willkommen.
In den drei bergischen Großstädten leben die Menschen jeder für sich und die Solinger und Remscheider haben es auch nicht besonders gern, wenn man sie mit den Wuppertalern vergleicht oder gar verwechselt (und mit den Menschen im Oberbergischen oder Niederbergischen erst recht nicht). Gerade deshalb wird allen bergischen Menschen nachgesagt, sie seien "Dickköppe". Dabei empfinden sie sich selbst als ausgelichen, wollen allerdings auch nicht gerne besonders auffallen. In diesem Sinne sind sie eher westfälisch als rheinisch, sie "prötteln" gerne und biedern sich nicht an. Lieber erledigen sie die Arbeit des anderen mit als lange darüber zu diskutieren. Sie tüfteln gerne, aber wissen durchaus, was sie wert sind.
Der Gründungsrektor der Bergischen Universität, der Germanist Professor Rainer Gruenter, hat von den "sozialen Parzellen" gesprochen, in denen man am liebsten lebt, "einkennig" hat es ein Wuppertaler Stadtpatrizier einmal genannt und das trifft zumindest ebenso für die Remscheider und Solinger zu: damit ist gemeint, dass man am liebsten mit sich selber verkehrt. Und das kann man an vielerlei Orten beobachten: die Reichen bleiben "unter sich", die kleinen und großen Bürger haben Vereine, Clubs, Bürgergesellschaften, die Handwerker haben ihre Zirkel, die Arbeiter Stammkneipen, viele treffen sich in Gesangvereinen, aber oft fällt es schwer, sie zu einem gemeinsamen Konzert zu überreden. Man bleibt eben "einkennig".
(aus: "Bergisch Pepita. Das Bergische Land entdecken. Ein Servicebuch - mit Geschichten", S. 103)